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Hermann von Kleist, der Gescheiterte

Verantwortlicher Autor: Martina Dock Wien, 27.01.2020, 07:45 Uhr
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Über Briefe zur Persönlichkeit
Über Briefe zur Persönlichkeit   Bild: Pixabay

Wien [ENA] Das Wiener Burgtheater setzt aktuell auf Kleist. „Die Hermannsschlacht“, imposantes Drama des glücklosen Schriftstellers, wird ebendort gespielt. Ein berauschender Erfolg war der Premiere im Vorjahr nicht beschieden. Allgemein blieben die Kritiken mittelmäßig. Kleist selbst aber fasziniert.

Tod

Im Alter von 34 Jahren setzte er seinem Leben ein Ende. Gemeinsam mit Henriette Vogel wählte er am 21.11.1811 den Freitod. Dieser Tod sowie Kleists letzte Stunden sind gut dokumentiert. Abschiedsbriefe, Einvernahmen überdies Berichte liefern beste Informationen. An den Ufern des Kleinen Wannsees erschoss Kleist erst seine Begleiterin, danach sich selbst. Der Dichter starb jedoch nicht durch den Schuss. Er erstickte am ausgetretenen Schießpulver. Beobachtern zufolge waren die beiden Sterbewilligen in ihren letzten Stunden auffällig gut gelaunt. Trotz spätherbstlicher Temperaturen ließen sie sich Kaffee an den See servieren. Sie tanzten am Ufer, warfen Steine ins Wasser.

Scheitern

Dem aus preußischem Offiziersadel stämmigen Kleist, lag die militärische Laufbahn nicht. Er quittierte 1799, nach 7 Jahren, den Dienst beim preußischen Heer. In der Folge widmete er sich einem naturwissenschaftlichen Studium, wobei er auch Vorlesungen in Philosophie und Recht belegte. Einigermaßen enttäuscht von Wissenschaft und Professoren beendete er nach 3 Semestern erfolglos das Studium. Finanzieller Notwendigkeiten wegen versuchte er sich als Beamter, doch auch den Staatsdienst konnte er nicht ertragen. Schließlich scheiterte die Beziehung mit Wilhelmine von Zenge, seiner Verlobten. Als Herausgeber der „Berliner Abendblätter“, blieb er erfolglos. Nach wenigen Monaten musste die Zeitung aus unterschiedlichen Gründen eingestellt werden.

Beziehung

Kleists Frauenbild entsprach dem seiner Zeit, wenngleich sein Frauenverständnis moderner war, als das der meisten seiner Zeitgenossen. Den Briefen der Verlobten ist zu entnehmen, dass die Beziehung sechs Monate lang sehr glücklich gewesen sein soll. Aufgrund der Reisen des Schriftstellers sah sich das Paar nur mehr sehr selten. Kleist kommunizierte mit seiner Braut vielfach schriftlich; 35 Briefe hat er an sie geschrieben. Als die Verlobte vom Tod des Bruders und ihrer Hilfebedürftigkeit berichtet hat, reagierte der Schriftsteller nicht. Monatelang hat er nicht geantwortet, bis er in einem letzten Brief an Wilhelmine schließlich eröffnete, dass er ihr nicht mehr schreiben werde.

Person

Die Zügel seines Lebens hielt Kleist niemals selbst in Händen. Er wusste sich ohne Lebensplan, und brachte dies auch in einem an seine Schwester gerichteten Brief zum Ausdruck. Wahrscheinlich war der Dichter ein Melancholiker; sicher war er ein nach Wahrheit Suchender. Die Beschäftigung mit Kant hat Kleist erschüttert. Er folgerte aus Kants Werken, dass es objektive Wahrheit nicht gibt. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft gilt diese Auffassung übrigens als belegt. Dem Dichter blieb diese Erkenntnis zeitlebens unerträglich. Kleist hat 256 Briefe hinterlassen. Briefe und Werk sind die wesentlichen Aufschlussmittel zur Persönlichkeit des Hermann von Kleist.

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